Kinder können so grausam sein

Kürzlich stand ich mit I. und C. nach dem Sport vor dem Verein rum und wir sind auf das Thema Schulsport gekommen. Wie sehr wir alle drei es gehasst haben. Aus tiefster Seele und ganzem Herzen. Und dann sagt I. ” Ich hatte ja auch schon sehr früh sehr grosse Brüste und das war dann erst recht kein Spass.“
Was sie da nicht alles für Sprüche gehört hätte. Der prägnanteste wäre aber gewesen:

“Die Tür geht auf, zwei Titten kommen rein, dass kann nur I….. sein.”

Ich musste vor Schock so laut auflachen, dass es mir schon unangenehm war und ich I. dann erst mal für all die Wunden, die das damals gerissen haben muss, in den Arm genommen habe.

Seit dem beschäftigt mich das und ich würde an dieser Stelle doch gerne mal aufwühlen, was ihr euch als Kinder so anhören musstet.

Ich hatte nie so etwas ganz schlimmes. Das übliche Namensgehänsel: “Bratpfanne, Brathähnchen und die avancierte Form “Breuler”. Das hat genervt, aber keine tiefen Wunden gelassen. Viel schlimmer war es, als ich mit Anfang 20 nach Hamburg kam und eine Freundin meines besten Freundes wieder mit der Scheiße anfing und vor allem immer in Gackern ausgebrochen ist, sobald ich in die Nähe kam. Das war nämlich durchaus persönlich gemeint.

Und ihr so?

Ein kleiner Lobgesang auf das Internet

Mittwoch Nacht bin ich in Augsburg gestrandet. Ich kam pünktlich um 22.30h in Augsburg an, frohen Mutes, ob einer angenehmen Zugfahrt mit ganz viel lesen. Zwischendurch habe ich mit einer Folge „Haven“ zum essen meine eigene Party gefeiert

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und freute mich auf diesen kurzen Ausflug.

Ich überlegte kurz ein Taxi zum reservierten Hotel zu nehmen und dachte dann, Quatsch, jetzt hast du ja die ganze Zeit gesessen, das läufst du, trotz schwerer Tasche (ja, auch für einen Tag, schon allein die Bücher!).

Also spazierte ich in die Altstadt und dachte, ach wie hübsch wird das alles morgen bei Tageslicht aussehen.
Und dann stand ich vor verschlossener Tür. Leider hatte das Hotel versäumt mir zu sagen, dass sie nur bis 22h besetzt sind. Ich hatte sogar im Vorfeld noch kurz überlegt anzurufen und nachzufragen, habe den Gedanken dann aber mit „wir haben 2013“ abgetan. Ausserdem hatte ich wegen der Option auf Sojamilch und einen veganen Brotaufstrich mit dem Hotel gemailt. Da hätten die das doch nachgefragt!
Und spätestens in der Reservierungsbestätigung hätte ich einen Einzeiler erwartet, der mich darauf hinweist, dass ich ankündigen muss, falls ich nach 22h eintreffe.
Nichts dergleichen.

Ich habe dann eine private Internetsuch in Hamburg angeleiert und gleichzeitig einen Tweet abgesetzt, in der Hoffnung, dass irgendwer irgendwie helfen kann.

Und dann passierte das:

In sekundenschnelle verbreitete sich mein Notruf. Sehr schnell kamen erste Tips und Antworten. Und hätte die private Internethilfe in Hamburg nicht doch noch das allerletzte Hotel in einigermaßen akzeptabler Nähe gefunden (wegen eines Fußballspiels war ALLES im Stadtinneren und auch ausufernd ausgebucht), das noch ein Zimmer frei hatte – hätte ich mich in eine Kneipe gesetzt und noch etwas länger gewartet, es hätte sich etwas gefunden!

Wie schon in meinem Folgetweet

auch an dieser Stelle noch mal 1000 Dank! Wie toll! Twitter, du geile Sau!

Und über facebook taten sich am nächsten Tag gleich mehrere Möglichkeiten auf, die hatten das nur leider Nachts nicht mehr gesehen.

Eine ehemalige Couchsurferin, die am Ende gar nicht bei mir schlief, sondern auf einem sagenhaften Tunng Konzert mit mir war. Ich hatte völlig vergessen, dass sie aus Augsburg kam. Aber sie hat sich gemeldet und auf alle Zeit Obdach in Augsburg angeboten.

Eine andere Couchsurferin schrieb am nächsten morgen eine sms, dass ihre Mutter in Augsburg sei. Zur Zeit zwar nicht dort, aber eine der Freundinnen der Mutter hätte mich bestimmt aufgenommen.

Merkt hier jemand einen Trend? Ich habe mich ja schon mal über das tolle Konzept des Couchsurfens ausgelassen, aber an solchen Sachen merkt man mal wieder, wie toll und wertvoll es ist Menschen von überall kennenzulernen.

Und eine Freundin schrieb, dass doch ihre gesamte WG aus Augsburg käme…

Beinahe hätte ich eines dieser Angebote auch angenommen. Ob des Sturms gab es Bedenken, ob ich mit dem Zug bis nach Hamburg durchkäme. Zu Recht. Irgendwo hinter Hannover hingen wir das erste mal fest wegen eines Baumes auf den Gleisen. Der war aber eigentlich schon wieder runter von den Gleisen und sie wollten die Strecke noch testfahren. Dann ging es weiter. Bis dann der nächste Baum auf die Gleise fiel und die Strecke meines ICE nach Hamburg endgültig gesperrt wurde.

Nach gefühlten zwei Stunden warten hieß es dann, wir sollten in den Zug auf dem anderen Gleis umsteigen, um mit diesem nach Hannover zu fahren, wo es keine Hotels mehr gäbe, sie würden dann von dort aus versuchen über eine andere Strecke nach Hamburg zu fahren. Ich hätte um 23.09 in Hamburg sein sollen. Es wurde dann 5.20h.

Wie schrieb Kommander so schön:

aber immerhin heil zurück

my life according to Gisbert zu Knyphausen

Haha, hierüber bin ich die Tage durch Zufall gestolpert. Das will ich euch nicht vorenthalten! Ging vor drei Jahren mal auf facebook rum. Ich will hier jetzt niemanden zwingen, das zu machen. Ich kann nur sagen, dass es total viel Spass macht.

Sollte sich jemand inspiriert fühlen und es damals nicht gemacht haben, freue mich über eure Ergebnisse auf fb oder hier im Kommentar!

So geht das:

Using only song names from ONE ARTIST, cleverly answer these questions. Pass it on to 15 people, including me. You can’t use the band I used. Try not to repeat a song title. Repost as “my life according to (band name)”

Pick your Artist: Gisbert zu Knyphausen

Are you a male or female:
Wer kann sich schon entscheiden?

Describe yourself:
Ich Bin Freund Von Klischees Und Funkelnden Sternen

How do you feel:
Morsches Holz

Describe where you currently live:
Kräne

If you could go anywhere, where would you go?
Sommertag

Your favourite form of transportation:
Der Blick in deinen Augen

Your best friend?
Melancholie

You and your best friends are:
Nichts Als Gespenster

What’s the weather like:
Grau, Grau, Grau

Favourite time of day:
So seltsam durch die Nacht

If your life was a TV show, what would it be called:
Verschwende deine Zeit 

What is life to you:
Kleine Ballade

Your relationship:
Herzlichen Glückwunsch

Your fear:
Flugangst

What is the best advice you have to give:
Dreh Dich Nicht Um

Thought for the Day:
Erwischt

How I would like to die:
HEY

My soul’s present condition:
Es Ist Still Auf Dem Rastplatz Krachgarden

My motto:
Hurra! Hurra! So Nicht.

Couchsurfing

Heute mal kein Ärger und keine Politik. Wobei: ich halte es für politisch ganz schlau, sich mit Menschen überall auf der Welt zu vernetzen!

Doch zum Thema:

Als ich vor drei Jahren unbedingt nach Stockholm reisen wollte, aber gerade knapp bei Kasse war, empfahl mir irgendwer couchsurfing.

Couch was? Bei fremden Menschen auf der Couch schlafen? Ich war skeptisch. Aber ich war zum Glück auch nicht alleine unterwegs. Also haben K und ich uns entschieden, das Risiko einzugehen.

Gäbe es eine Liste der 10 besten Entscheidungen meines Lebens, wäre diese zumindest ein heißer Anwärter.

(Apropos: gute Idee für Peter und seine “auslisten”- Serie, vielleicht noch schöner mit den schlechtesten Entscheidungen)

Da das ganze auch noch eine sehr spontane Aktion war und ich auf die individuellen Anfragen an registrierte Gastgeben in Stockholm keine Antwort oder nur Absagen bekam, haben wir es über die emergency couch Gruppe Stockholm versucht.

Eigentlich ist der Sinn der Sache, dass man sich anhand der Profile (die die Nutzer möglichst authentisch ausfüllen sollten) gleichgesinnte Gastgeber sucht. Und auf der Gegenseite Gäste aufnimmt, die einem sympathisch erscheinen. Der Hauptpunkt von couchsurfing ist nicht kostenlos irgendwo absteigen, sondern vor allem mit Hilfe der Gastgeber die bereiste Stadt erleben, wie man sie sonst nicht erleben würde.

Und genau das ist dann auch passiert. Ich hatte auf das emergency Gesuch glaube ich zwei Angebote, das eine von einem jungen Mann, der ein ganzes Stück ausserhalb wohnte und eines, das mir einfach zu suspekt war. Also habe ich ganz dreist eine Stockholmerin angemorst, die einem anderen Notsuchenden über die Gruppe Asyl gewehrt hat. Ob sie nicht zufällig noch Platz für zwei mehr hätte. Und da Jenny einer der coolsten Personen ist, die ich kenne, sagte sie ja! Daraufhin hatten wir zwei unheimlich lustige Touri-Tage in Stockholm mit einem jungen Amerikaner, der gerade auf Europatour war. Und abends hat Jenny uns durch die Stockholmer Kneipenszene geführt.

Nachdem ich zurück in Hamburg war, war ich also völlig von dem System überzeugt und habe bereitwillig Gäste aufgenommen und es kein einziges mal bereut. Von manchen habe ich gar nicht so viel mitbekommen, weil ich keine Zeit hatte etwas mit ihnen zu unternehmen, manche sind mir sehr ans Herz gewachsen. Und mein Menscheninstinkt hat mich nie im Stich gelassen.

Da waren die wundervollen Sloweninnen, die den besten Apfelstrudel der Welt backen und von denen eine die Farbe von M&M’s am Geschmack erkennen kann (true story, wir haben das getestet!).
Die beiden Amerikaner, die auch von diesem Couchsurfing Ding gehört hatte und ganz viel Angst vor mir und dem System hatten, weil, was sind das für komische Menschen, die einfach so Fremde bei sich aufnehmen. Das würde in Amiland in 99% des Landes halt niemand machen.
Der Österreicher, der ähnlich wie ein anderer Bekannter von mir auf einer Frequenz redet, DIE ICH NICHT VERSTEHE, aber es hat dann doch so weit gereicht, dass klar war: Musik- und Filmgeschmack 1a.
Der Berliner, der für eine völlig abgefahrene Klanginstallation in Hamburg war.
Die wahnsinnig nette Französin, wegen der ich endlich mal meinen Hintern hochbekam und das Gängeviertel besuchte.
Die unheimlich lustige Schwedin, die einfach Vollnerd beim Thema Sprachen und auch sonst ist.
Wieder eine Slowenin, deren Biografie sich schon so großartig las, wie sie auch im echten Leben ist.

Daraus ergibt sich ein fantastisches Netzwerk aus Orten überall in der Welt, an denen ich Menschen kenne, die ich treffen könnte oder bei denen ich sogar übernachten könnte, wenn ich denn mal auf die Ecke käme.

Ich hatte zwischendurch auch eine Stressbedingte Flaute und ich muss nicht permanent andere Menschen in meiner Wohnung haben, aber ich im Moment mal wieder voll motiviert öfter Gäste aufzunehmen, weil es bisher jedes mal eine tolle Erfahrung war.

Mein einziges großes Bauchweh an der ganzen Sache sind natürlich die Daten, die da erhoben werden. Selbst wenn sie nicht verkauft werden (wovon ich leider ausgehe, wer mehr dazu weiß: gerne kommentieren) so ist doch auf alle Fälle sehr leicht an sie heranzukommen.

Dafür habe ich natürlich wie immer meinen Namen wie er im Ausweise steht nicht benutzt, aber das ändert an den sozialen Verknüpfungen, die ich durch Bewertungen meiner Gastgeber und Gäste offen lege, nichts.

Ausflug ins Neandertal

Am Freitag klopfte es an meinem Elfenbeinturm aus einem hoch gendersensibilisierten Freundeskreis.

Durch Zufall schlitterte ich in eine Unterhaltung über Gleichstellung und Gleichberechtigung. Und über den Sinn oder Un-Sinn von Frauenquoten.

Und weil ich ja nicht schlauer werde, habe ich mich in die Unterhaltung eingemischt. Und machte eine Zeitreise ins tiefe Neandertal.

Ich will die Diskussion hier gar nicht wiedergeben. Aber meine Lieblingszitate waren:

“Männer und Frauen können ja nicht gleich sein. Wie soll das gehen. Da kann ich auch kommen und sagen, ich will jetzt Kinder gebären können.”
(Really? Du willst Kinder gebären? Viel Spaß, ICH bin nicht scharf auf die Schmerzen…)

“Ich bin halt ein Typ und ich will auch männlich sein!”
(Aha, und was ist für dich männlich und woher kommt das wohl, warum du glaubst, dass das männlich ist?)

“Also alle (!) Frauen die ich kenne, sind auch völlig überfordert damit, was heute so von einer Frau erwartet wird!”
(Really? Davon sind die überfordert? Vielleicht sollten die mal über Identitätsbildung und Selbstbewusstsein nachdenken, wenn sie der Meinung sind, sich von irgendwem erzählen lassen zu können, wie sie sein sollen, anstatt zu leben, was sie leben wollen.)

“Die (die Frauen), die wollen auch schwächer sein als Männer. Die wollen auch beschützt werden.”
(REALLY?!?!?!?! Öhm, könnte es sein, dass du dir die Frauen, die du kennst, auch dementsprechend AUSSUCHST?)

“Nee, ich lerne halt Frauen kennen und entweder die sind mir sympathisch oder nicht.”
(Ach! Und was glaubst du wohl, was Frauen für dich sympathisch macht?)

Ich bin dann bei der ersten guten Gelegenheit ganz schnell abgehauen und sitze noch immer Kopfschüttelnd da. Nur das traurige ist: das ist ja die Realität.

The Hirn works in mysterious ways

Ich habe die letzten Tage zum zweiten mal in kurzer Zeit eine kleine Reise in die Vergangenheit gemacht.
Da privat privat ist, will ich das hier nicht weiter ausweiten. Aber es ist doch erstaunlich, was frau so völlig verdrängt, und was frau auf einmal wieder einfällt. Namen, Menschen, an die ich seit zig Jahren keinen Gedanken verschwendet habe, tauchen in Zusammenhängen wieder auf.

Das skurrile Gefühl, ein Haus zu betreten, in dem ich meine halbe Jugend verbracht habe. Sich zu erinnern, dass die Küche aber früher anders aussah.

Wie vertraut einem Menschen sind, die man Ewigkeiten nicht gesehen hat.

Das Gefühl, dass die Eltern der Freunde auslösen. Keine Ahnung haben, ob man die jetzt duzen oder siezen soll. Klar duzen die mich noch. Nur bin ich ja schon lange aus dem Alter raus, in dem ich geduzt werde ohne zurück zu duzen.

Wie schnell ich das Gefühl habe, neue Menschen schon ewig zu kennen, weil sie so natürlich zu diesen alten Menschen gehören.

Und den festen Vorsatz mitnehmen, dass nicht wieder so viele Jahre vergehen, in denen der Kontakt so brachliegt.

Ich hege diese Theorie schon lange, aber die letzten Wochen haben sie mal wieder bestätigt: Freundschaften aus der Pubertät gehen irgendwie tiefer.

Die Sprache ist kaputt oder ich nicht kreativ genug. Gefühle gehören unter die Brust. Alles klingt nach Kitsch. Deswegen einfach: Danke A & N <3