Mensch – Maschine update #4

Es ist ja so, so lange überfällig, dass ich mal wieder etwas über meinen Fortschritt bei meinem Mensch-Maschine Vergleich berichte!

Und nachdem ich mich das letze mal am unteren Spektrum ausgekotzt habe, heute mal meine bisherigen Favoriten. Ich spare mir ausführliche Inhaltsangaben.

Favoriten bei den Maschinevorschlägen:

Colum McCann „Let the Great World Spin“
Philippe Petit’s Drahtseilakt vom 7. August 74 zwischen den Twin Towers ist der Mittelpunkt für unterschiedliche Erzählstränge, die alle miteinander verbunden sind. Ich hätte sofort noch mal von vorne anfangen können, vor allem um zu entdecken, wo mehr Parallelen versteckt sind. Ganz, ganz wundervoll.

Nicole Krauss „Great House“
Noch ein Roman, der unterschiedliche Erzählstränge hat, hier als Mittelpunkt einen Schreibtisch. Und ich mag normalerweise keine Bücher mit unterschiedlichen Erzählsträngen. Muss also gut sein.

Ken Grimwood „Replay“
Zwischendurch hatte ich so meine Bedenken, wie weit Grimwood das Ding mit der „Zeitreise“ treibt. Aber ach, epische Liebesgeschichten, her damit! Mein einziger Wermutstropfen ist, dass die Phantasie wie eine Welt ohne das Attentat ausgesehen hätte, nicht ausgespielt wird. Aber das hätte vielleicht auch den Rahmen gesprängt.

Laure Halse Anderson „Wintergirls“
Einer der besten Young Adult Romane, die ich bisher gelesen habe. Und das beim schwierigen Thema Essstörungen. Dagegen können die derzeit so gehypten reaktionären Rainbow Rowell Nummern nach Hause gehen.

Über die Discworld von Terry Pratchett habe ich mich ja schon ausführlich ausgelassen.

 

Bei den Menschvorschlägen:

Nicole Krauss „Man Walks Into a Room“
Hatte ich schon mal in meinem glaube ich längstem Blogbeitrag überhaupt zum Thema Podcasts erwähnt im Zusammenhang mit Geschichten, die einen fesseln, ohne dass man sich persönlich im Geringsten identifiziert. Großartig!

Carol Rifka Brunt „Tell the Wolves I’m Home“
Epischer Roman über Freundschaft, Liebe und Verlust. Meiner Meinung nach ein absolutes Must Read!

Donna Tart „The Secret History“
Das nächste Must Read zeitgenössischer Literatur. Endlich mal wieder ein Roman, bei dem man von Anfang an weiß, was passiert und sich voll und ganz dem WARUM hingeben kann. Unheimlich gute Charakterstudien.
Vom persönlichen Effekt her hat es mich stark an Lindquist’s „Let The Right One In“ erinnert.

Um so enttäuschender war dann Donna Tart’s neuestes Werk „The Goldfinch“. Unglaublich in die Länge gezogen. Missverständnisse auf die Spitze getrieben. Nur das Ende war halbwegs ok.

Stephen King „Joyland“
Habe ich schon gelobhuldigt.
Seit dem habe ich es auch noch mal gehört. Michael Kelly, den alle, die dem Zeitgeist frönen als Doug aus “House of Cards” kennen, liest das aber auch einfach so fantastisch. Wer also darüber nachdenkt, das als Hörbuch zu konsumieren: unbedingt in der englischen Fassung gelesen von Michael Kelly.

Ian McEwan „Sweet Tooth“ hatte ich schon erwähnt. Da war das positive Leseerlebnis auch noch nicht getrübt von „Saturday“.

Robert Harris „An Officer and a Spy“
Hatte bei mir ein wenig den Romeo und Julia Effekt. Obwohl die historischen Fakten klar sind (also im Falle der Dreyfus-Affäre, um die es in Harris Roman geht), saß ich die ganze Zeit da und dachte, dass darf doch nicht sein. Da muss doch jetzt jemand anders handeln. Historischer Stoff unheimlich gut aufbereitet.

Alex Capus „Léon und Louise“
Da war ich mir länger nicht sicher, wie es wohl finden werde. Die Antwort ist toll! Alternative Lebensentwürfe, her damit.

Olga Grjasnowa „Der Russe ist einer, der Birken liebt“
Sollten alle lesen, die bei Sätzen wie „Wir sind Weltmeister“ zusammen zucken. Und die, die solche Sätze sagen, vielleicht erst recht.

Gregory David Roberts „Shantaram“
Das einzige was mich auf Dauer ein wenig genervt hat, war das ständige hätte ich da schon gewusst, hätte ich dies, hätte ich das. Aber sonst: super spannend und interessant.

Chad Harbach „The Art of Fielding“
Gute Romane über Freundschaften und Identitätsfindung stehen derzeit bei mir ganz oben. Somit ein Volltreffer.

Was ich bei dem aktuell hohen Lese / Hörpensum festgestellt habe ist, dass ich viel zu wenig Frauen lese / höre. Deshalb habe ich mich, nachdem ich alles was es für den Mensch-Maschine Vergleich als Hörbücher gab abgearbeitet hatte, zum Hören gezielt auf die Suche nach Autorinnen gemacht.

Da ich die letzten beiden Siri Hustvedts noch nicht gelesen hatte und ich die Prämisse unheimlich spannend fand habe ich mir zuerst „The Blazing World“ geholt. Keine leichte Kost aber fantastisch gut. Für Menschen die intelligente Bücher mögen auch hier: Must Read.

Und das gilt auch für Amy Waldman’s „The Submission“. MUST READ (OR LISTEN).

Mensch – Maschine update #3

Habe ich schon erwähnt, dass ich momentan süchtig nach dieser einen Puzzle App bin? Bin ich. Und das Gute daran ist, dass ich dazu ganz famos Hörbücher hören kann und so mein enormes Pensum an Büchern für den Mensch-Maschine Vergleich erstaunlich gut weglese, beziehungsweise weghöre.

Seit dem letzen update hat sich hier so einiges angesammelt, viel zu viel für nur einen Blogbeitrag. Deswegen habe ich beschlossen die Bücher etwas aufzuteilen und mit einer Schmimpftirade zu starten. Alle Bücher, die ich seit dem letzten mal gelesen oder gehört habe und die mir so richtig doll gar nicht gefallen haben. Wenn ich schon bei dem schönen Wetter drinnen hänge. Insgesamt herrscht derzeit übrigens punktemäßig fast Gleichstand für Menschen und Maschine. Mit einem kleinen Vorsprung für die Maschine. Es bleibt also spannend!

Amelie Nothomb „Metaphysik der Röhren“
Ich glaube, das war unter anderem witzig gemeint. Aber mich hat es nur genervt. Nutzloses pseudo philosophieren. Schlecht präsentiert. Ist auf meiner Anti-Liste gelandet…

Markus Zusak „The Book Thief“
Gehört zu den Büchern, die mich zum Zweifeln bringen, ob bei mir alles stimmt. So hochgelobt und gehimmelt. Blabla. Zugegeben war die pure Geschichte um Liesel, Rudy und Max gut. Aber die Erzählinstanz fand ich furchtbar, furchtbar, furchtbar. Aus der Sicht des Todes den Holocaust beschreiben. WTF?! Was für eine anmaßende Scheiße ist das denn? Und was ist eigentlich das Fazit des Buches? Ja, Hitler und Holocaust sind schlimm, aber die einzelnen konnten doch auch nichts dagegen tun. Dieses menscheln mit Mitläufern und Klappehaltern hat mir das ganze Buch nachhaltig zunichte gemacht.

Patrick Ness „A Monster Calls“
Spannend. Die Prämisse des Buches ist ja, den inneren Kampf eines Jugendlichen mit den ambivalenten Gefühlen zum Krebstod seiner Mutter auf so wundervolle Weise zu behandeln. Und ich wollte mir die ganze Zeit nur mit der Hand gegen den Kopf hauen. Erstens finde ich, dass Patrick Ness mit dem Alter, bzw dem Verhalten seiner Romanfigur komplett daneben gehauen hat. Conor soll 13 sein, verhält sich aber viel jünger.
Und mir fehlen ganz eindeutig vernünftige Lösungsansätze für das Problem dieses Kindes. Für mich kommt bei dem Roman am Ende raus, dass er das mit sich selber auskämpfen muss. Darf ich noch mal: WTF? Sämtliche Erwachsene versagen komplett. Ist das die Botschaft, die ich einem jugendlichen Publikum mitgegeben haben will? Nein.
Ich habe dann aber ein Kind in der entsprechenden Altersgruppe befragt, was sie denn glaube, dass das Buch ihr sagen will. Und da kam tatsächlich, dass man auch Sachen sagen soll, die einem schwer fallen zuzugeben. Na immerhin.

Jaume Cabrè „Die Stimmen des Flusses“
Ich lese Bücher normalerweise aus Prinzip fertig. Aber als ich hier nach 100 Seiten noch immer nicht das geringste Interesse für die Figuren aufbringen konnte und der Erzählstil und die gänzlich unmarkierten Zeitsprünge mitten im Absatz mir dermaßen auf die Nerven gegangen sind war ich tapfer und habe beschlossen, dass ich mit meiner Zeit doch besseres anzufangen weiß. (Puzzeln zum Beispiel und GUTE Bücher hören.)

Chris Colfer „Struck By Lightning“
Oh noch mal: WTF? Am Anfang fand ich das Geläster und Gezeter des Protagonisten ja noch zum Schmunzeln. Aber das hatte sich ganz schnell abgenutzt und war vor allem total sinnlos und hat zu gar nichts geführt. Und dann so ein schräges billiges Ende, weil dem guten Chris nichts anderes eingefallen ist, wie er das ganze jetzt auflösen soll. Pubertärer Kackdreck.

Philipp Roth „American Pastoral“ und Ian McEwan „Saturday“
fasse ich jetzt einfach mal zusammen, weil ich zu beiden das exakt selbe zu sagen haben:

weiße, mittelalte Männer, die in der Krise stecken, komische Verhältnisse zu ihren Töchtern haben und mehr (Roth) oder weniger (McEwan) verkappt ihre Töchter vögeln wollen und sterbenslangweilige innere Monologe halten INTERESSIEREN MICH NICHT.

Jay McInerney „The Good Life“
Auch hier hatte ich ein großes Problem mit der Sexismuskappe. Frauen wollen in der Ehe dieses und jenes, aber auf keinen Fall unter normalen Umständen ihren Mann betrügen. What?
Sehr schade, abgesehen davon und vom fatalen Ende war die Geschichte ganz nett. Die Idee 9/11 aus der Sicht von mehr oder weniger am Rande betroffenen zu erzählen, die bei den Aufräumarbeiten helfen, fand ich auch nicht doof.
Aber ein Buch, das mir verkaufen will, dass es doch eine total tolle Entscheidung der betrügenden und betrogenen Ehefrau ist, WEGEN DER KINDER bei ihrem Ehemann zu bleiben, obwohl er sie VERGEWALTIGT, geht nicht. Geht nicht. Geht nicht. Geht nicht. Dafür gibt es nicht mal ein WTF. Dafür gibt es die Antiliste und Hass, Hass, Hass.

Liebeshymne an Terry Pratchett

Einer der  goodreads Vorschläge bei meinem online – offline Test war “Guards, Guards” von Terry Pratchett. Und es war zu erkennen, das es offensichtlich Teil 8 von irgendwas ist. Und da ich nun mal Serienjunkie bin musste ich dieses Irgendwas dann natürlich auch von vorne konsumieren und nicht einfach Teil 8. Und so habe ich die letzten Monate in der “discworld” (Scheibenwelt) verbracht. Eine Fantasiewelt, die zu Beginn technisch irgendwo im Mittelalter hängt und sonst sehr viel mit unserer Welt zu tun hat. Bis auf die Hexen, Magier, Drachen, Riesen, Zwerge, Goblins, Vampire, Werwölfe und was das Herz sonst noch begehrt.

Das ist aber alles nur nebensächlich. Hauptsächlich sind die bisher 40 erschienenen Romane nämlich vor allem eins: fantastisch lustig und  bezaubernd kurzweilig.

Terry Pratchett nimmt auf die Schippe, was man auf die Schippe nehmen kann. Politik, Geschlechterrollen, Wirtschaft, Roman- und Filmklischees und historische Allgemeinplätze. Es gibt ein Hauptpersonal, das abwechselnd die Hauptrolle in den einzelnen Teilen spielt. Manchmal kreuzen sich die Wege in anderen Teilen und manchmal gibt es kleine Ausschlägerromane. Die Post wird erfunden, der Computer, das Bankwesen, der Film, und die Dampflock. Und über alles, aber auch alles wird sich lustig gemacht.

Selten oder vielleicht auch nie habe ich bei Hörbüchern so oft so laut in mein Kämmerchen gelacht. Einer der Momente der mir am meisten nachhängt ist als Commander Vimes, der besessen von der Dunkelheit, durch unterirdische Gänge wütet, weil er es nicht zur täglich festen Vorlesezeit seines Sohnes zurück geschafft hat, und “Where is my cow” brüllt.

Nicht zu vergessen “Death”. Der eine Enkelin hat. Nicht leiblich natürlich. Aber seltsamerweise haben sich seine „Fähigkeiten“ auf Susanne übertragen. Und wenn der Tod mal wieder in einer Sinnkriese steckt, muss Susanne ran. Die Susanne Teile gehören definitiv zu meinen Favoriten.

Und dann ist da noch der Bibliothekar. Ein Magier, der sich bei einem etwas daneben gelaufenen Experiment in einen Orang-Utan verwandelt hat und gegen alle Versuche ihn in seine alte Gestalt zu bringen wehrt. Gerne trinkt, Schlägereien toll findet und mindestens 100 Bedeutungen von „Ugh“ auf Lager hat.

Als ich vor wenigen Tagen den bisher letzten Teil fertig gehört habe, war ich sehr, sehr traurig. Vor allem, weil unklar ist, ob es weitere Teile geben wird. Alzheimer, die Sau, hat sich in Terry Pratchetts Gehirn breit gemacht. Als ich das nächste Hörbuch anfing, war es sehr seltsam nach so langer Zeit eine andrere Stimme als die von Stepfen Briggs, den festen Sprecher der letzten ca 20 Bände, zu hören. Zum Glück war “Great House” von Nicole Krauss so großartig, dass ich gerade so damit leben konnte.

Und dann: habe ich angefangen “Good Omens” von Terry Pratchett und Neil Gaiman zu hören. Auch ein goodreads Vorschlag. Und wer liest das: Steven Briggs! Allerdings ist es fast noch befremdlicher ihn all die bekannten Stimmen anderen Charakteren zu geben. Bleibt nur die Hoffnung, dass Herr Pratchett noch viele lichte Momente erlebt und ich die gewohneten Charaktere vielleicht noch in ein zwei Büchern zu hören bekomme.

Ugh!

Über die Unfähigkeit mir eine Meinung zu bilden

Ich bin ja seit zwei Jahren oder so bei goodreads. Um meiner Unfähigkeit mich an Bücher und deren Inhalt zu erinnern nachdrücklich entgegen zu wirken. Deswegen versuche ich auch immer zumindest eine kleine, persönliche Rezension abzugeben. Worauf ich dabei immer verzichte ist eine INHALTSANGABE. Seriously, what’s with that? Wenn ich bei goodreads auf ein Buch gehe, bekomme ich als erstes eine, tadaa, Inhaltsangabe. Oft auch mehr als den Klappentext. Warum fühlen sich dann circa die Hälfte aller Rezensierenden berufen noch mal eine Inhaltsangabe zu verfassen?! Die Bewertungen lese ich dann immer erst gar nicht. Aber das nur am Rande.

Wie im ersten update zu meinem Mensch-Maschine Vergleich schon beschrieben, gibt es zusätzlich ein Sterne-Bewertungssystem:

1 Stern – did not like it
2 Sterne – it was ok
3 Sterne – liked it
4 Sterne – really liked it
5 Sterne – it was amazing

Und bei ganz vielen der in letzter Zeit konsumierten Bücher sitze ich minutenlang vor den Sternen und weiß nicht, wie viele ich klicken soll. Oft warte ich dann einige Tage und diskutiere mit mir selbst. Manchmal muss ich die Rezensionen anderer lesen, bis ich etwas finde, dass ausdrückt, was ich empfunden habe aber nicht greifen konnte.

Wie zum Beispiel jüngst bei Philip Roth’s “American Pastoral”. Am Anfang fand ich die Geschichte noch unheimlich gut erzählt und durchaus spannend. Irgendwann hatte ich dann das ungute Gefühlt, dass mir hier das Geschwafel eines alternden, weißen Mannes mit sehr unschönen Fantasien untergeschoben wird. Genervt hat mich dann der Perspektivenwechsel. Und bei der dritten detaillierten Beschreibung wie Handschuhe hergestellt werden fragte ich mich, ob da jemand pro Buchstabe bezahlt wurde oder doch eher so selbstverliebt in sein Geseier ist. Aber dann hatte ich auch immer wieder Zweifel. Ob das nicht doch eine spannende Zeitstudie ist. Eine spannende Gesellschaftsstudie. Und das mag es ja auch alles sein. Aber ich musste erst eine Rezension finden, die all das, was mich spätestens ab der Mitte des Buches genervt hat knapp in Worte gefasst hat, um mich zu Entscheiden, dass ich das Buch nicht mochte.

Und dann frage ich mich: warum? Weil ich so verdammt schlau bin, dass ich immerhin weiß, dass ich nie genug wissen kann, um ein Buch in seiner Gänze beurteilen zu können? Weil ich in den meisten Fällen so viel Respekt davor habe, dass sich jemand überhaupt hinsetzt und ein ganzes verf***tes Buch schreibt, dass ich schon den Akt lobenswert und somit nicht als komplett verurteilungswürdig erachte? Ausnahmen hierzu würden die Regel bestätigen, wenn es denn eine wäre. Das sind dann Bücher, die ich auf Grund ihrer Künstlichkeit oder Erzählfaulheit oder wegen einer für mich von vorne bis hinten nicht akzeptablen Geschichte einfach schlimm finde.
Oder weil ich mich für viel zu dumm halte, um eine Meinung haben zu dürfen?
Und wann ist ein Buch gut oder schlecht? Es gibt zahlreiche Bücher, die eine schöne Geschichte erzählen, aber sprachlich schlecht sind. Es gibt Bücher, die sprachlich toll sind, aber inhaltlich enttäuschen. Es gibt Bücher, die simpler, billiger Trash sind, aber gut unterhalten. (Da gebe ich in der Regel übrigens einfach keine Sterne.)

Und dabei ist die Frage doch ganz einfach, wenn man sich die Definition der Sterne anschaut. Did I like it or didn’t I like it and how much?
Aber selbst das weiß ich manchmal nicht oder nicht sofort. Vielleicht nehme ich auch im Moment alles viel zu ernst. Vielleicht ist es im Moment für Bücher ganz ganz schwierig mich zu überzeugen, wenn ich mich nicht sofort in sie verliebe. Und selbst dann kann es sein, dass sie mich enttäuschen, wenn die Geschichte Wendungen nimmt, die mir nicht gefallen.

Vielleicht posaune ich deswegen meine Meinung, wenn ich dann mal eine gefunden habe, so laut in die Welt. Um nachzuhorchen, ob das noch alles stimmt so.

Mensch – Maschine update #2

Ich habe gelesen und gehört!

Bei meinem Versuch herauszufinden wer mir die besseren Buchvorschläge macht – Buchhändler_innen und Bekannte oder Algorithmen – bin ich wieder ein paar Bücher voran gekommen. Das letzte update und eine Liste aller Bücher gibt es hier.

Mein absoluter Favorit mit 5 von 5 Sternen vorne weg. Nie im Leben hätte ich das erwartet. Vielleicht mochte ich es deswegen so gerne: Stephen King’s “Joyland” (Mensch-Empfehlung). Ein Buch über Freundschaft und Verlust. Erwachsen werden und loslassen. Und das ganze mit ein paar feinen Weisheiten über das Leben und den Rest. Und dem wunderschönen Zitat: “When it comes to the past, everyone writes fiction.”

Fast genauso toll fand ich Ian McEwan’s “Sweet Tooth“ (Mensch-Empfehlung). Da habe ich mich doch glatt von der Wendung am Schluss überraschen lassen, obwohl ich sie hätte vorhersehen können, wäre ich etwas aufmerksamer gewesen oder hätte ich mich nicht so treiben lassen. Aber manchmal ist es ja auch schön sich die Hand vor den Kopf zu schlagen und laut “klar” zu rufen.

Auch richtig gut gefallen hat mir “The Testament of Gideon Mack“ von James Robertson (Maschine-Empfehlung). Das passt auch schön zum Stephen King Zitat. Wie glaubwürdig sind biografische Erzählungen? Auch hier ein wundervolles Zitat:

‘Film,’ John said. ‘I think we think of our lives as films. Movies. Moving pictures. Sometimes you catch yourself thinking – or you hear someone saying – “Oh, mind when that happened, it was just like that scene in such-and-such.” If your life is like a film it gives it a kind of framework. I think we imagine our lives as movies because that’s the only way left to understand them.’

‘Speak for yourself,’ Gregor laughed. ‘You’re talking mince, John.’

‘Actually I don’t think he is,’ Nancy said. ‘You’re saying films, John, but it could be fiction, it’s the same thing. When I think of all the novels I’ve read, I do wonder if it’s been a sensible use of my time. Why would I fill my head with all those made-up stories if it wasn’t to try and understand my own story? Every month my book group discusses a novel an its characters as if they were real people making real choices. Life is a story. It doesn’t matter whether it’s a book or a film, it’s still a story.’

 

Dann hatte ich noch Patrick Ness “New World – Die Flucht“ (“The Knife of never Lettin Go”  – Chaos Walking Triology). Das hat mich jetzt nicht so umgehauen. Ich fand die Grundidee spannend: wie geht man damit um, wenn man ständig und immer die Gedanken aller im Kopf hören kann. Aber das ganze war mir zu Hunger Games ohne die Brillianz von Hunger Games. Gleich nach dem ich den ersten Teil fertig hatte habe ich mir auf Wikipedia die Zusammenfassung der anderen beiden Teile durchgelesen, weil ich mir sicher war, dass ich sie nicht komplett werde lesen wollen. Und das heißt schon etwas bei mir als bekennende Serienjunkiesse.

Bei Erlend Loe‘s “Doppler” konnte ich mich lange nicht entscheiden wie es finde und dachte, ich muss den zweiten Teil lesen / hören um zu sehen wie es endet. Die Zusammenfassung habe ich noch  nicht gelesen, Falls jemand eine gute findet: her damit. Ich habe jetzt aber beschlossen, dass ich es doof finde, weil es ganz wichtige Fragen wie den Sinn des ständigen Strebens danach Dinge besonders gut zu machen und wertvolle Mitglieder der Gesellschaft zu sein oder wie lange der derzeitige Kapitalismus funktionieren kann kaputt macht, in dem Elend Loe den Erzähler völlig überzieht.

Mit ist schon klar, dass das ganze auch witzig sein sollte, aber dann war es wohl nicht ganz mein Humor.

Auch David Levithan’s “Boy Meets Boy” (Machine-Empfehlung – fehlt auf der Übersichtsliste, weil Goodreads natürlich auch wieder neue Vorschläge macht, wenn man Dinge aus der Liste wegliest) war mit etwas zu bemüht. Ein paar Grundideen waren ganz nett, die Liebesgeschichte war ganz nett. Aber insgesamt halt nur ganz nett. Hat jetzt nicht geschadet, es nebenbei zu hören, wäre aber kein Buch, dass ich verschenken müsste.

Teaser: so gut wie fertig bin ich mit Amelie Nothomb – “Metaphysik der Röhren” und mal wieder Neil Gaiman “The Ocean At The End Of The Lane”.

 

 

 

Mensch – Maschine update

Wer sich fragt, wie es meinem Buch-Versuch (hihi) geht:

Sehr weit bin ich leider noch nicht gekommen, weil ich einen vermeintlich neuen Scarlett Thomas Roman entdeckt habe („Bright Young Things”), der sich dann als ganz alter herausstellte, und trotzdem toll war, obwohl ich jedes andere Buch mit dem Klappentext sofort in die Tonne getreten hätte. Bei Scarlett Thomas bin ich zugegeben voreingenommen. Die will ich toll finden. Nur PopCo fand ich verhältnismäßig schwach, das mag aber auch an meiner völlig falschen Erwartungshaltung gelegen haben.

Und dann musste ich noch „American Gods“ von Herrn Gaiman lesen, weil ich aus Versehen zuerst „Anansi Boys“ (den „zweiten“ Teil) gelesen hatte und als Serienjunkie geht so was ja gar nicht. Leider war ich auch von „American Gods“ etwas underwhelmed, auch wenn ich genauso wie bei „Anansi Boys“ das Ende super fand und die letzten 200 Seiten dann auch endlich spannend.

Von den Empfehlungen habe ich bisher Muriel Barbery “Die Eleganz des Igels“ (The Elegance of the Hedgehog) gelesen, das mir leider überhaupt nicht gefallen hat. (Mensch-Empfehlung)
Da ich derzeit überlege einen eigenen Podcast zu starten will ich hier im Moment nicht mehr dazu schreiben. Sollte das etwas werden wird meine Meinung dort ausführlich zu hören sein.

Noch viel weniger gefallen hat mir „angerichtet“ von Hermann Koch. (Mensch-Empfehlung) Dafür gilt das selbe wie oben. Nur kurz: I’m just not buying it.

Was ich ganz, ganz toll fand ist Nicole Krauss’s „Man Walks Into A Room“, das ich hier auch schon erwähnte. (Mensch-Empfehlung) Ein klarer Anwärter für meine Top Favoriten Liste.

Es gefiel mir sogar besser als Nicole Krauss’s super Bestseller „The History of Love“, das ich kurz danach gelesen habe. (Maschine-Empfehlung)

Im Moment bin ich bei Ian McEwan „ Sweet Tooth“ und bisher völlig begeistert.
Ich werde das am Ende (das ich noch nicht gesetzt habe) übrigens ganz öde nach Punkten, bzw Sternen entscheiden. Ich habe mir für die Mensch-Empfehlungen und die Maschine-Empfehlungen eine Liste angelegt. Bei goodreads kann man 1 bis 5 Sterne für die Bücher vergeben. Da bedeutet dann

1 Stern – did not like it
2 Sterne – it was ok
3 Sterne – liked it
4 Sterne – really liked it
5 Sterne – it was amazing

Wer die meisten Sterne bei gleicher Anzahl Bücher hat gewinnt.

Hier schon mal die momentane Liste an Vorschlägen, falls irgendwer noch nach Inspiration sucht oder mitlesen will:

Frau Gumpert, Buchhandlung ZweiEinsDrei, Hamburg:
Teju Cole „Open City“
Ian McEwan „ Sweet Tooth“
T.C. Boyle „San Miguel“
Nicole Krauss „Man Walks Into A Room“

Christiane Scheven, Buchhandlung ZweiEinsDrei, Hamburg:
Chad Harbach „Die Kunst des Feldspiels“ (The Art Of Fielding)
Daniel Woodrell „Der Tod von Sweet Mister“ (The Death Of Sweet Mister)
Lily Brett „Lola Bensky“
Olga Grjasnowa „Der Russe ist einer, der Birken liebt“

Cliff Kilian, Buchladen Shakespeare und so, Mainz:
Hilary Mantel „Wölfe“ (Wolf Hall)
Richard Powers „Der Klang der Zeit“ (The Time Of Our Singing)
Jaume Cabré „Die Stimmen des Flusses“
Hermann Koch „angerichtet“

Kurt Idrizovic, Buchladen am Obstmarkt, Augsburg:
John Williams „Stoner“
Alex Capus „Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer“
Alex Capus „Léon und Louise“
Ian McEwan „Honig“ (Sweet Tooth)
Leon de Winter „Ein gues Herz“
Robert Harris „Intrige“ (An Officer And A Spy)
Stephen King „Joyland“

Und zu Stephen King muss man nach Aussage von Kurt Idrizovic auch unbedingt die Rezension von Dietmar Dath gelesen haben. Ich gebe das hier so weiter.

Herr Fischer, Taschenbuchladen Krüger, Augsburg:
Patrick Ness / Siobhan Dowd „Sieben Minuten nach Mitternacht“ (A Monster Calls)
Patrin Ness „New World – Die Flucht“ (The Knife of never Lettin Go) – Chaos Walking Triology
Ursula Poznanski „Erebos“
Anne C. Voorhoeve „Liverpool Street“

Frithjof Klepp, ocelot, Berlin:
Jonathan Franzen „Die Korrekturen“
Philip Roth „Verschwörung gegen Amerika“
Thomas Wolfe „Schau heimwärts, Engel“
Jenny Erpenbeck“ Heimsuchung“

Tina Friedrich, Uslar & Rai, Berlin
Jonathan Lethem „Chronic City“
James Frey „Das letzte Testament der heiligen Schrift“
William Boyd „Ruhelos“
Gerard Donovan „Winter in Maine“
Junot Diaz „Das kurze wundersame Leben“
John Niven „Koma“

Jenny:
Die Eleganz des Igels – Muriel Barbery
Der Schaum der Tage – Boris Vain
The Secret History – Donna Tartt
Fegefeuer – Sofi Oksanen
The book thief – Marcus Zusak
Tell the wolves I’m home – Carol Rifka Brunt
Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children – Ransom Riggs
All my friends are superheroes – Andrew Kaufman (andre Bücher von Kaufman gehen auch)
Why be happy when you could be normal? – Jeanette Winterson
Doppler – Erlend Loe

Katharina:
Amelie Nothomb – “Metaphysik der Röhren”
Ian McEwan – “Saturday”
Jonathan Franzen – “Freiheit”

Gesa:
Reif Larsen – “Die Karte meiner Träume”
Matthew Sharpe – “Eine amerikanische Familie”
Philip Roth – “Der menschliche Makel”
Und P.G. Wodehouse – alles

Kathrin Weßling: Jonathan Franzen – die Korrekturen

Martin Hilpert: G.D Roberts – Shantaram

Meike: Mark Haddon – The Curious Incident Of The Dog In the Night-Time

Goodreads:
Nicole Krauss „The History of Love
James Robertson „The Testament of Gideon Mack“
Philip Roth „American Pastoral“
Rachel Cohn „Dash & Lily’s Book of Dares“
Jennie Shortridge „When She Flew“
Willy Vlautin „The Motel Life“
Tony Vigorito „ Just a Coule of Days“
Marc-Uwe Kling „Die Känguru Chroniken“
Will Davis „My Side Of The Story“
Rosecrans Baldwin „You Lost Me There“
Jennifer Brown „Hate List“

Nachtrag:

Zadie Smith “NW”
Paullina Simons “The Girl IN Times Square”
Ferdinand von Schirach “Verbrechen”
Terry Prachtett “Guards, Guards”
Terry Pratchett & Neil Gaiman “Good Omens”
Tom Perrotta “Joe College”
Sarah Ockler “Twenty Boy Summer”
Matthew Norman “Domestic Violets”
Richard C. Moray “The Hundred-Foot Journey”
Jay Minerney “The Good Life”
Colum McCann “Let The Great World Spin”
Richard Matheson “Somewhere In Time”
David Levithan “Boy Meets Boy”
Nina LaCour “Hold Still”
Nicole Krauss “Great House”
Dorothy Koomson “My Best Friend’s Girl”
Ken Grimwood “Replay”
John Green ” Let It Snow”
Alan Garner “Thursbitch”
Patrick Gale “Notes from an Exhibition”
Neil Gaiman “The Ocean at The End Of The Lane”
Laura Esquivel “Like Water for Chocolate”
Chris Colfer “Struck By Lightening”
Robin Benway “Audrey, Wait”
Pat Barker “Toby’s Room”
Laurie Halse Anderson “Wintergirls”

 

Jetzt muss mir nur noch jemand ganz viel Urlaub schenken…

online – offline und wo ist hier bitte die Grenze?

Ich starte einen online offline Test. So total unwissenschaftlich. Und den ersten Anlauf habe ich auch direkt versaut.

Ich dachte, ich sehe mal, welche Bücher mir dieses Internet basierend auf einer bestimmten Auswahl an Büchern vorschlägt. Von denen wähle ich dann welche aus, die mir tatsächlich interessant erscheinen. Und lese sie.

Und dann gehe ich in einen Buchladen, zeige genau die gleiche Liste und lasse mir von echten Menschen Vorschläge machen. Auch davon wähle ich die aus, die mich ansprechen. Und lese sie.

Und dann wollen wir doch mal sehen, wer mir die besseren Bücher vorschlägt.

Dummerweise habe ich der Buchhändlerin, mit der ich gestartet habe, auch gleich die ausgedruckt Liste mit den Internetvorschlägen gezeigt. Und damit war alles versaut. Das muss ich also noch mal von vorne machen. Ohne zeigen der Vorschläge. Die Vorschläge kommen übrigens von Goodreads. Und ganz ehrlich nervt micht die Seite ja ein bisschen. Ich wollte mir die Vorschläge noch mal neu machen lassen, mit einer erweiterten Auswahl. Man kann bei Goodreads virtuelle Bücherregale anlegen und sich dann anhand einzelner Regale Bücher empfehlen lassen. In der Theorie. In der Praxis habe ich das Regal, das die Basis für den Test liefern soll, jetzt bestimmt zehn mal angeklickt und es taucht bei den Empfehlungen einfach nicht auf.

Dann habe ich ein neues Regal angelegt und die selben Bücher angegeben. Und jetzt bekomme ich nur Vorschläge zum ersten Buch in der Liste. Sehr ärgerlich.

Ich habe auch lange hin und her überlegt, wo denn die Grenzen sind. Was ist denn online und offline? Wenn mir Menschen, die mich nur aus dem Netz kennen Buchvorschläge machen, ist das dann online oder offline. Also klar ist es online. Aber ja doch ein Mensch.

Also werde ich den Unterschied bei Algorithmus und Mensch ziehen. Sollte Goodreads jetzt doch irgendwann mal mit einer voll ausgewerteten Liste auftauchen, sind hier schon mal die Bücher. Ihr dürft nämlich auch vorschlagen. Aber nur anhand dieser Bücher. Das setzt dann voraus, dass ihr mindestens eines davon selbst gelesen habt und denk: wenn ihr das gefallen hat, gefällt ihr auch das.

Ich habe das ganz ordentlich alphabetisch sortiert. Innerhalb dieses erlesenen Kreises, will ich keine Rangliste mehr bestimmen:

Douglas Adams “The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy”

Jay Asher “Thirteen Reasons Why”

Paul Auster “The Brookly Follies”

Stephen Chbosky “The Perks of Being a Wallflower”

Joshua Ferris “The Unnamed”

Jonathan Safran Foer “Extremely Loud and Incredibly Close”

John Green “Looking For Alaska”

John Green “The Fault In Our Stars”

Joey Goebel “The Anomalies”

Tino Hanekamp “So was von da”

Wolfgang Herrndorf “Tschick”

A.M. Homes “This Book Will Save Your Life”

Nick Hornby “A Long Way Down”

Siri Hustvedt ” What I Loved”

Siri Hustvedt “The Sorrows of an American”

Tania Kindersley “Don’t Ask Me Why”

Nicle Krauss “Man Walks Into A Room”

John Ajvide Lindqvist “Let the Right One In”

Armistead Maupin “Tales of the City”

Harry Mulisch “The Discovery Of Heaven”

Nagel “Was kostet die Welt”

Audrey Niffenegger “The Time Traveler’s Wife”

Connie Palmen “I. M. Ischa Meijer. In Margine. In Memoriam”

Dana Reinhardt “A Brief Chapter in My Impossible Life”

Matt Ruff “Fool On The Hill”

Matt Ruff “Set This House On Fire”

Andreas Steinhöfel “Die Mitte der Welt”

Scarlett Thomas “The End Of Mr. Y”

Scarlett Thomas “Our Tragic Universe”

Scarlett Thomas “Going Out”

Jonathan Tropper “How To Talk To a Widower”

Kathrin Weßling “Drüberleben”

Ich werde übrigens auch die aus dem Internet vorgeschlagenen Bücher offline kaufen. So im Laden. Mit echtem Geld. Support your local book dealer!