Blogparade: 2013 in Serienkrams

Wenn meine Lieblingsbesprecher in Sachen Serien eine Blogparade starten mache ich natürlich mit:

Was war für dich die Serien-Überraschung des Jahres?

Das ist ziemlich einfach, weil ich dieses Jahr auf gar keine der neuen Serien Lust hatte, die Previews haben mich allesamt nicht überzeugt. Nur “The Fosters” fand ich wegen ihrer Grundprämisse – lesbisches Paar mit Adoptivkindern – spannend. Und bin nicht enttäuscht worden.
Weswegen ich mir auch von Caro und Andi gewünscht habe, dass sie The Foster gucken und besprechen. Und tadaaa: einmal im Podcast und einmal als Review. Mein Herz. Jetzt bin ich nur noch gespannt, was Andi sagt, ich gehe von einem Kommentar nach den Feiertagen aus.

Die eigentliche Überraschung war dann “House of Cards“. Meine Fresse.

Welche alte Serie hat dich 2013 besonders überzeugt?

Puh. Keine? Vielleicht sollte ich doch mal “The Good Wife” weiterschauen, wenn Andi und Caro sich da so einig sind. Haven habe ich mit viel Vergnügen nach längerer Pause weitergeschaut und fand den Reset zur aktuellen Staffel sehr spannend. Auch meinen Hänger bei “Person Of Interest” (der ganze Root Nervkram in der ersten Staffel) habe ich überwunden. Vor allem nachdem ich über Caro mitbekommen hatte, dass Sarah Shahi eine Hauptrolle bekommt. Wohooo.

Welche neue oder alte Serie war für dich der Flop des Jahres?

“Dads”. Ich hatte mich so auf eine Serie mit Seth Green gefreut und dann das. Oh und natürlich SMASH. Das hat wirklich weg getan, wie sie diese wunderschöne Serie in der zweiten Staffel so systematisch gegen die Wand gefahren haben.

Worüber hat dein innerer Serienjunkie 2013 richtig laut gelacht?

Ihr stellt Fragen! Ich habe dieses Jahr erst angefangen doch mal “Buffy” zu sehen. Und über wen ich bestimmt nicht gelacht habe ist die furchtbare unsägliche und unerträgliche Sarah Michelle Gellar. Warum zum Teufel Joss Whedon die nicht ganz schnell rausgeschrieben und durch eine der anderen, spannenderen Jägerinnen ersetzt hat ist mir unbegreiflich. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich da ein paar mal laut aufgelacht habe. Ebenso wie bei “Misfits“, das ich erst kürzlich in mein Serienmenu aufgenommen habe.

Was hat dich besonders schockiert?

Donald Glover (Troy) steigt aus Community aus. Um seine Musikkarriere zu verfolgen. Say what?!

…und was besonders überrascht?

Dass ich Vampire Diaries gucke. Und immer besser finde.

…und welche Storyline besonders bescheuert?

Graceland, die Backroundstory von Paul Briggs, bzw, welche Handlungen daraus resultieren. Ich dachte, ich als Zuschauerin soll immer noch mit ihm mitfühlen und seine Handlungen in the great scheme verstehen, bzw akzeptieren können, aber das ist den Schreibern auf ihrer Jagt nach mehr Drama, Drama, Drama eindeutig eindeutig aus dem Ruder gelaufen. Deswegen habe ich die Serie vorerst auch abgesetzt. Da muss mich irgendwer jetzt schon sehr überzeugen wieder einzusteigen oder ich gar nichts anderes mehr zum gucken haben.

Welcher Darsteller und welche Darstellerin hat 2013 besonders gerockt?

Darf ich cheesy sein und Hayden Byerly, der in the Fosterst Callie’s kleinen Bruder Jude spielt, sagen? Einfach weil ich so verliebt in seine Rolle bin?

Wer hat 2013 vorherige Rollen vergessen gemacht?

Ich sag jetzt Peter Krause, weil mir nichts besseres einfällt. Ich hab zwar immer noch Six Feet Under im Hinterkopf wenn ich ihn sehe, aber er ist mittlerweile Adam Braverman in “Parenthood“. Dirty Sexy Money habe ich schon völlig verdrängt.

Unwichtigster Charakter einer Serie?

Ich würde ja schon so lange gerne Amy in The Big Bang Theory loswerden. Mit einer der Gründe, warum ich TBBT hoffentlich endlich mal absetze.

Bei welcher Serie sollte man unbedingt genauer auf den Soundtrack achten?

Misfits haut permanent ganz schön rein. Und wer diese Staffel auf einmal richtig losgelegt hat ist “Person Of Interest”. Nicht zu vergessen Elementary, die “Bloodline” von Barbarossa drinnen hatten. Ein wenig verkackt haben sie dann aber musikalisch bei mir, als sie in der ersten Londonszene Oasis statt Blur geneommen haben. Ph!

Welche Serie hat die beste Kamera- und Szenenarbeit?

Elementary.

Welche Serie konntest du auch 2013 nicht absetzen, obwohl sich alle deiner Körperteile gegen sie wehren?

Da werde ich konsequenter. Beziehungsweise schaue ich Sachen einfach nicht weiter und merke irgendwann, dass ich auch überhaupt kein Bedürfnis mehr habe. Aber bei “Hart of Dixie” hat es eindeutig zu lange gedauert. Ich habe es ohnehin nur nur nur wegen Rachel Bilson geschaut, aber auch Rachel Bilson kann so eine schwache Serie nur bedingt lange rechtfertigen. Naja, und wie oben schon erwähnt “The Big Bang Theory”. Oh halt! “New Girl”. Wollte ich von Anfang an nicht sehen, habe mich dann dem allgemeinen Druck gebeugt und weiß noch immer nicht genau warum. Auch Zooey Deschanel rechtfertigt … siehe oben.

Stell dir vor, du bist Showrunner einer aktuell laufenden Serie und bekommst die Order, die Serie in eine völlig andere Richtung weiterzuführen. Welche Serie passt du wie an?

Oaaahhh! Big Bang Theory! Penny wird endlich entdeckt und verdient dicke, fette Kohle und Sheldon wird gefeuert und muss sich mal umsehen was passiert, wenn ihm auf Grund seines Genies nicht alles verziehen wird. Amy verlässt ihn endlich und er findet raus, dass er ohnehin in Lennart verliebt ist. Dafür hören diese so gar nicht mehr lustigen Raj und Howard Andeutungen auf.

Was wünschst du dir vom Serienjahr 2014?

Das “The Fosters” genauso toll weitergeht. Und Hallo, wie jedes Jahr: Firefly!

Mensch – Maschine update

Wer sich fragt, wie es meinem Buch-Versuch (hihi) geht:

Sehr weit bin ich leider noch nicht gekommen, weil ich einen vermeintlich neuen Scarlett Thomas Roman entdeckt habe („Bright Young Things”), der sich dann als ganz alter herausstellte, und trotzdem toll war, obwohl ich jedes andere Buch mit dem Klappentext sofort in die Tonne getreten hätte. Bei Scarlett Thomas bin ich zugegeben voreingenommen. Die will ich toll finden. Nur PopCo fand ich verhältnismäßig schwach, das mag aber auch an meiner völlig falschen Erwartungshaltung gelegen haben.

Und dann musste ich noch „American Gods“ von Herrn Gaiman lesen, weil ich aus Versehen zuerst „Anansi Boys“ (den „zweiten“ Teil) gelesen hatte und als Serienjunkie geht so was ja gar nicht. Leider war ich auch von „American Gods“ etwas underwhelmed, auch wenn ich genauso wie bei „Anansi Boys“ das Ende super fand und die letzten 200 Seiten dann auch endlich spannend.

Von den Empfehlungen habe ich bisher Muriel Barbery “Die Eleganz des Igels“ (The Elegance of the Hedgehog) gelesen, das mir leider überhaupt nicht gefallen hat. (Mensch-Empfehlung)
Da ich derzeit überlege einen eigenen Podcast zu starten will ich hier im Moment nicht mehr dazu schreiben. Sollte das etwas werden wird meine Meinung dort ausführlich zu hören sein.

Noch viel weniger gefallen hat mir „angerichtet“ von Hermann Koch. (Mensch-Empfehlung) Dafür gilt das selbe wie oben. Nur kurz: I’m just not buying it.

Was ich ganz, ganz toll fand ist Nicole Krauss’s „Man Walks Into A Room“, das ich hier auch schon erwähnte. (Mensch-Empfehlung) Ein klarer Anwärter für meine Top Favoriten Liste.

Es gefiel mir sogar besser als Nicole Krauss’s super Bestseller „The History of Love“, das ich kurz danach gelesen habe. (Maschine-Empfehlung)

Im Moment bin ich bei Ian McEwan „ Sweet Tooth“ und bisher völlig begeistert.
Ich werde das am Ende (das ich noch nicht gesetzt habe) übrigens ganz öde nach Punkten, bzw Sternen entscheiden. Ich habe mir für die Mensch-Empfehlungen und die Maschine-Empfehlungen eine Liste angelegt. Bei goodreads kann man 1 bis 5 Sterne für die Bücher vergeben. Da bedeutet dann

1 Stern – did not like it
2 Sterne – it was ok
3 Sterne – liked it
4 Sterne – really liked it
5 Sterne – it was amazing

Wer die meisten Sterne bei gleicher Anzahl Bücher hat gewinnt.

Hier schon mal die momentane Liste an Vorschlägen, falls irgendwer noch nach Inspiration sucht oder mitlesen will:

Frau Gumpert, Buchhandlung ZweiEinsDrei, Hamburg:
Teju Cole „Open City“
Ian McEwan „ Sweet Tooth“
T.C. Boyle „San Miguel“
Nicole Krauss „Man Walks Into A Room“

Christiane Scheven, Buchhandlung ZweiEinsDrei, Hamburg:
Chad Harbach „Die Kunst des Feldspiels“ (The Art Of Fielding)
Daniel Woodrell „Der Tod von Sweet Mister“ (The Death Of Sweet Mister)
Lily Brett „Lola Bensky“
Olga Grjasnowa „Der Russe ist einer, der Birken liebt“

Cliff Kilian, Buchladen Shakespeare und so, Mainz:
Hilary Mantel „Wölfe“ (Wolf Hall)
Richard Powers „Der Klang der Zeit“ (The Time Of Our Singing)
Jaume Cabré „Die Stimmen des Flusses“
Hermann Koch „angerichtet“

Kurt Idrizovic, Buchladen am Obstmarkt, Augsburg:
John Williams „Stoner“
Alex Capus „Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer“
Alex Capus „Léon und Louise“
Ian McEwan „Honig“ (Sweet Tooth)
Leon de Winter „Ein gues Herz“
Robert Harris „Intrige“ (An Officer And A Spy)
Stephen King „Joyland“

Und zu Stephen King muss man nach Aussage von Kurt Idrizovic auch unbedingt die Rezension von Dietmar Dath gelesen haben. Ich gebe das hier so weiter.

Herr Fischer, Taschenbuchladen Krüger, Augsburg:
Patrick Ness / Siobhan Dowd „Sieben Minuten nach Mitternacht“ (A Monster Calls)
Patrin Ness „New World – Die Flucht“ (The Knife of never Lettin Go) – Chaos Walking Triology
Ursula Poznanski „Erebos“
Anne C. Voorhoeve „Liverpool Street“

Frithjof Klepp, ocelot, Berlin:
Jonathan Franzen „Die Korrekturen“
Philip Roth „Verschwörung gegen Amerika“
Thomas Wolfe „Schau heimwärts, Engel“
Jenny Erpenbeck“ Heimsuchung“

Tina Friedrich, Uslar & Rai, Berlin
Jonathan Lethem „Chronic City“
James Frey „Das letzte Testament der heiligen Schrift“
William Boyd „Ruhelos“
Gerard Donovan „Winter in Maine“
Junot Diaz „Das kurze wundersame Leben“
John Niven „Koma“

Jenny:
Die Eleganz des Igels – Muriel Barbery
Der Schaum der Tage – Boris Vain
The Secret History – Donna Tartt
Fegefeuer – Sofi Oksanen
The book thief – Marcus Zusak
Tell the wolves I’m home – Carol Rifka Brunt
Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children – Ransom Riggs
All my friends are superheroes – Andrew Kaufman (andre Bücher von Kaufman gehen auch)
Why be happy when you could be normal? – Jeanette Winterson
Doppler – Erlend Loe

Katharina:
Amelie Nothomb – “Metaphysik der Röhren”
Ian McEwan – “Saturday”
Jonathan Franzen – “Freiheit”

Gesa:
Reif Larsen – “Die Karte meiner Träume”
Matthew Sharpe – “Eine amerikanische Familie”
Philip Roth – “Der menschliche Makel”
Und P.G. Wodehouse – alles

Kathrin Weßling: Jonathan Franzen – die Korrekturen

Martin Hilpert: G.D Roberts – Shantaram

Meike: Mark Haddon – The Curious Incident Of The Dog In the Night-Time

Goodreads:
Nicole Krauss „The History of Love
James Robertson „The Testament of Gideon Mack“
Philip Roth „American Pastoral“
Rachel Cohn „Dash & Lily’s Book of Dares“
Jennie Shortridge „When She Flew“
Willy Vlautin „The Motel Life“
Tony Vigorito „ Just a Coule of Days“
Marc-Uwe Kling „Die Känguru Chroniken“
Will Davis „My Side Of The Story“
Rosecrans Baldwin „You Lost Me There“
Jennifer Brown „Hate List“

Nachtrag:

Zadie Smith “NW”
Paullina Simons “The Girl IN Times Square”
Ferdinand von Schirach “Verbrechen”
Terry Prachtett “Guards, Guards”
Terry Pratchett & Neil Gaiman “Good Omens”
Tom Perrotta “Joe College”
Sarah Ockler “Twenty Boy Summer”
Matthew Norman “Domestic Violets”
Richard C. Moray “The Hundred-Foot Journey”
Jay Minerney “The Good Life”
Colum McCann “Let The Great World Spin”
Richard Matheson “Somewhere In Time”
David Levithan “Boy Meets Boy”
Nina LaCour “Hold Still”
Nicole Krauss “Great House”
Dorothy Koomson “My Best Friend’s Girl”
Ken Grimwood “Replay”
John Green ” Let It Snow”
Alan Garner “Thursbitch”
Patrick Gale “Notes from an Exhibition”
Neil Gaiman “The Ocean at The End Of The Lane”
Laura Esquivel “Like Water for Chocolate”
Chris Colfer “Struck By Lightening”
Robin Benway “Audrey, Wait”
Pat Barker “Toby’s Room”
Laurie Halse Anderson “Wintergirls”

 

Jetzt muss mir nur noch jemand ganz viel Urlaub schenken…

Ein kleiner Lobgesang auf das Internet

Mittwoch Nacht bin ich in Augsburg gestrandet. Ich kam pünktlich um 22.30h in Augsburg an, frohen Mutes, ob einer angenehmen Zugfahrt mit ganz viel lesen. Zwischendurch habe ich mit einer Folge „Haven“ zum essen meine eigene Party gefeiert

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und freute mich auf diesen kurzen Ausflug.

Ich überlegte kurz ein Taxi zum reservierten Hotel zu nehmen und dachte dann, Quatsch, jetzt hast du ja die ganze Zeit gesessen, das läufst du, trotz schwerer Tasche (ja, auch für einen Tag, schon allein die Bücher!).

Also spazierte ich in die Altstadt und dachte, ach wie hübsch wird das alles morgen bei Tageslicht aussehen.
Und dann stand ich vor verschlossener Tür. Leider hatte das Hotel versäumt mir zu sagen, dass sie nur bis 22h besetzt sind. Ich hatte sogar im Vorfeld noch kurz überlegt anzurufen und nachzufragen, habe den Gedanken dann aber mit „wir haben 2013“ abgetan. Ausserdem hatte ich wegen der Option auf Sojamilch und einen veganen Brotaufstrich mit dem Hotel gemailt. Da hätten die das doch nachgefragt!
Und spätestens in der Reservierungsbestätigung hätte ich einen Einzeiler erwartet, der mich darauf hinweist, dass ich ankündigen muss, falls ich nach 22h eintreffe.
Nichts dergleichen.

Ich habe dann eine private Internetsuch in Hamburg angeleiert und gleichzeitig einen Tweet abgesetzt, in der Hoffnung, dass irgendwer irgendwie helfen kann.

Und dann passierte das:

In sekundenschnelle verbreitete sich mein Notruf. Sehr schnell kamen erste Tips und Antworten. Und hätte die private Internethilfe in Hamburg nicht doch noch das allerletzte Hotel in einigermaßen akzeptabler Nähe gefunden (wegen eines Fußballspiels war ALLES im Stadtinneren und auch ausufernd ausgebucht), das noch ein Zimmer frei hatte – hätte ich mich in eine Kneipe gesetzt und noch etwas länger gewartet, es hätte sich etwas gefunden!

Wie schon in meinem Folgetweet

auch an dieser Stelle noch mal 1000 Dank! Wie toll! Twitter, du geile Sau!

Und über facebook taten sich am nächsten Tag gleich mehrere Möglichkeiten auf, die hatten das nur leider Nachts nicht mehr gesehen.

Eine ehemalige Couchsurferin, die am Ende gar nicht bei mir schlief, sondern auf einem sagenhaften Tunng Konzert mit mir war. Ich hatte völlig vergessen, dass sie aus Augsburg kam. Aber sie hat sich gemeldet und auf alle Zeit Obdach in Augsburg angeboten.

Eine andere Couchsurferin schrieb am nächsten morgen eine sms, dass ihre Mutter in Augsburg sei. Zur Zeit zwar nicht dort, aber eine der Freundinnen der Mutter hätte mich bestimmt aufgenommen.

Merkt hier jemand einen Trend? Ich habe mich ja schon mal über das tolle Konzept des Couchsurfens ausgelassen, aber an solchen Sachen merkt man mal wieder, wie toll und wertvoll es ist Menschen von überall kennenzulernen.

Und eine Freundin schrieb, dass doch ihre gesamte WG aus Augsburg käme…

Beinahe hätte ich eines dieser Angebote auch angenommen. Ob des Sturms gab es Bedenken, ob ich mit dem Zug bis nach Hamburg durchkäme. Zu Recht. Irgendwo hinter Hannover hingen wir das erste mal fest wegen eines Baumes auf den Gleisen. Der war aber eigentlich schon wieder runter von den Gleisen und sie wollten die Strecke noch testfahren. Dann ging es weiter. Bis dann der nächste Baum auf die Gleise fiel und die Strecke meines ICE nach Hamburg endgültig gesperrt wurde.

Nach gefühlten zwei Stunden warten hieß es dann, wir sollten in den Zug auf dem anderen Gleis umsteigen, um mit diesem nach Hannover zu fahren, wo es keine Hotels mehr gäbe, sie würden dann von dort aus versuchen über eine andere Strecke nach Hamburg zu fahren. Ich hätte um 23.09 in Hamburg sein sollen. Es wurde dann 5.20h.

Wie schrieb Kommander so schön:

aber immerhin heil zurück

Don’t ask a vegetarian

Vegetarier_/Veganer_innen kennen das: du bist mit jemanden unterwegs oder bei jemandem zu Besuch, der noch Fleisch konsumiert, ihr wollt gemeinsam etwas essen und dann kommt die Frage:

„Macht es dir was aus, wenn ich Fleisch esse?“.

Ich gucke dann verlegen, oder druckse rum. Weil die Gesellschaft es wunderbar geschafft hat mich permanent in eine Defensivrolle zu versetzen. Wer kann sie schon leiden, diese Besserwisser, schlechte Gewissenmacher. Ganz schnell sehe ich mich dem Vorwurf ausgesetzt missionieren zu wollen.

„Woher weißt du, ob jemand Vegetarier ist?“ „Weil er es dir in den ersten 5 Minuten erzählt.“

Hahaha.

Und warum erzählt diese_r gemeine Vegetarier_in das in den ersten 5 Minuten? Weil wir gefragt werden. Immer. Ständig. Weil die Antwort „Nein danke, ich möchte kein Fleisch.“ nicht im Raum stehen gelassen wird. (Das gleiche gilt für Alkohol. Aber das ist ein anderes Thema.)

Hier also ein für alle mal die ehrliche Antwort, die ich nie ins Gesicht sagen will, um Gefühle nicht zu verletzen; weil ich nicht umständlich sein will:

Ja, es macht mir etwas aus.

Ich verzichte aus Überzeugung auf Fleisch und auf Tierprodukte, weil ich es für falsch halte anderen Lebewesen Leid zuzufügen oder sie zu töten.
Und dementsprechend werden meine Gefühle verletzt, mit diesem Stück totem Tier auf der Anderen Teller. Es tut mir wirklich bei jedem Stück Fleisch, das ich sehe, in der Seele weh, weil ich sofort das arme Tier vor Augen habe, das da ermordet worden ist. Mir wird mitunter auch übel.

Und ich wundere mich, dass andere das nicht antizipieren können. Ist das nicht sonnenklar und logisch?

K, der ich den Text zum gegenlesen gegeben habe sagt, sie fände die Frage sogar noch höflich. Sie hätte sie noch nie gestellt bekommen. In ihrer Gegenwart würde sich dann eher noch provokant über Vegetarier_innen lustig gemacht.

Ich glaube aber, die Frage geht unterbewusst noch tiefer. Ich glaube, dass 2013 so ziemlich jedem klar ist, was Massentierhaltung bedeutet, und dass man ohne Fleisch ganz wunderbar und gesund leben kann, wenn man will. Viele wollen nicht. Das ist eine Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss. Und es liegt nicht an mir zu urteilen, wo die Bequemlichkeitsgrenzen anderer liegen. Ich besitze auch ein iPhone, obwohl ich weiß, unter welchen Bedingungen es produziert wird.

Ich glaube, dass hinter der leidigen „macht es dir etwas aus, wenn ich in deiner Gegenwart Fleisch esse“ Frage der Wunsch nach Absolution steckt. Das schlechte Gewissen beruhigen. Meist sicherlich unbewusst. Aber was entschuldigt mehr, als wenn Vegetarier / Veganer am Tisch sagen: es ist ok, wenn du dein Fleisch isst.

Ich möchte diese Absolution nicht mehr erteilen, ich möchte ehrlicher werden, ich möchte nicht rumdrucksen oder mir das Gefühl vermitteln lassen, dass ich alles umständlich mache. Und ich will mich nicht für diesen Blogbeitrag entschuldigen.