Don’t ask a vegetarian

Vegetarier_/Veganer_innen kennen das: du bist mit jemanden unterwegs oder bei jemandem zu Besuch, der noch Fleisch konsumiert, ihr wollt gemeinsam etwas essen und dann kommt die Frage:

„Macht es dir was aus, wenn ich Fleisch esse?“.

Ich gucke dann verlegen, oder druckse rum. Weil die Gesellschaft es wunderbar geschafft hat mich permanent in eine Defensivrolle zu versetzen. Wer kann sie schon leiden, diese Besserwisser, schlechte Gewissenmacher. Ganz schnell sehe ich mich dem Vorwurf ausgesetzt missionieren zu wollen.

„Woher weißt du, ob jemand Vegetarier ist?“ „Weil er es dir in den ersten 5 Minuten erzählt.“

Hahaha.

Und warum erzählt diese_r gemeine Vegetarier_in das in den ersten 5 Minuten? Weil wir gefragt werden. Immer. Ständig. Weil die Antwort „Nein danke, ich möchte kein Fleisch.“ nicht im Raum stehen gelassen wird. (Das gleiche gilt für Alkohol. Aber das ist ein anderes Thema.)

Hier also ein für alle mal die ehrliche Antwort, die ich nie ins Gesicht sagen will, um Gefühle nicht zu verletzen; weil ich nicht umständlich sein will:

Ja, es macht mir etwas aus.

Ich verzichte aus Überzeugung auf Fleisch und auf Tierprodukte, weil ich es für falsch halte anderen Lebewesen Leid zuzufügen oder sie zu töten.
Und dementsprechend werden meine Gefühle verletzt, mit diesem Stück totem Tier auf der Anderen Teller. Es tut mir wirklich bei jedem Stück Fleisch, das ich sehe, in der Seele weh, weil ich sofort das arme Tier vor Augen habe, das da ermordet worden ist. Mir wird mitunter auch übel.

Und ich wundere mich, dass andere das nicht antizipieren können. Ist das nicht sonnenklar und logisch?

K, der ich den Text zum gegenlesen gegeben habe sagt, sie fände die Frage sogar noch höflich. Sie hätte sie noch nie gestellt bekommen. In ihrer Gegenwart würde sich dann eher noch provokant über Vegetarier_innen lustig gemacht.

Ich glaube aber, die Frage geht unterbewusst noch tiefer. Ich glaube, dass 2013 so ziemlich jedem klar ist, was Massentierhaltung bedeutet, und dass man ohne Fleisch ganz wunderbar und gesund leben kann, wenn man will. Viele wollen nicht. Das ist eine Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss. Und es liegt nicht an mir zu urteilen, wo die Bequemlichkeitsgrenzen anderer liegen. Ich besitze auch ein iPhone, obwohl ich weiß, unter welchen Bedingungen es produziert wird.

Ich glaube, dass hinter der leidigen „macht es dir etwas aus, wenn ich in deiner Gegenwart Fleisch esse“ Frage der Wunsch nach Absolution steckt. Das schlechte Gewissen beruhigen. Meist sicherlich unbewusst. Aber was entschuldigt mehr, als wenn Vegetarier / Veganer am Tisch sagen: es ist ok, wenn du dein Fleisch isst.

Ich möchte diese Absolution nicht mehr erteilen, ich möchte ehrlicher werden, ich möchte nicht rumdrucksen oder mir das Gefühl vermitteln lassen, dass ich alles umständlich mache. Und ich will mich nicht für diesen Blogbeitrag entschuldigen.